Zöliakie bei Kindern: Symptome, Diagnose und Behandlung

Elternwissen · Zöliakie
Woran erkennt man Zöliakie bei Kindern?
Zöliakie kann sich bei Kindern sehr unterschiedlich zeigen. Mögliche Hinweise sind wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Müdigkeit, Eisenmangel sowie eine auffällige Gewichts- oder Größenentwicklung. Manche Kinder haben allerdings kaum Beschwerden. Besteht ein Verdacht, erfolgt die erste Diagnostik normalerweise über spezielle Blutwerte. Wichtig: Vor Abschluss der Diagnostik sollte nicht eigenständig auf eine glutenfreie Ernährung umgestellt werden.
Aus der Kinderarztpraxis
Dr. Claus Pflugbeil · Kinderarzt & Papa
An Zöliakie denke ich nicht nur bei einem Kind mit ständigem Durchfall. Auch ein ungeklärter Eisenmangel, fehlende Gewichts- oder Größenzunahme, Müdigkeit oder wiederkehrende Bauchbeschwerden können Hinweise sein. Gerade weil das Erscheinungsbild so unterschiedlich sein kann, wird die Erkrankung leicht übersehen.
Zöliakie ist weder eine Allergie noch eine klassische Lebensmittelunverträglichkeit. Sie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten eine Immunreaktion gegen Strukturen der Dünndarmschleimhaut auslöst.
Das macht die Erkrankung besonders interessant für Eltern: Ein Kind muss nicht unbedingt offensichtlich unter starken Magen-Darm-Beschwerden leiden. Manchmal fallen zunächst ganz andere Dinge auf, zum Beispiel Eisenmangel, Müdigkeit oder eine nicht altersgerechte Entwicklung von Gewicht und Größe.
Was passiert bei Zöliakie im Darm?
Gluten ist ein Bestandteil verschiedener Getreidearten und kommt unter anderem in Weizen, Roggen und Gerste vor. Bei Menschen mit Zöliakie löst Gluten eine fehlgeleitete Immunreaktion aus.
Betroffen ist vor allem die Schleimhaut des Dünndarms. Dort befinden sich die sogenannten Darmzotten. Diese vergrößern die Oberfläche des Darms und spielen eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Nährstoffen.
Durch die anhaltende Entzündungsreaktion können diese Zotten geschädigt und abgeflacht werden. Dadurch können Nährstoffe wie Eisen, Vitamine und andere wichtige Bestandteile der Nahrung schlechter aufgenommen werden.
Wichtig: Zöliakie ist keine Glutenallergie. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die durch Gluten ausgelöst wird und den Dünndarm schädigen kann.
Welche Symptome kann Zöliakie bei Kindern verursachen?
Das Erscheinungsbild ist sehr unterschiedlich. Während manche Kinder deutliche Verdauungsbeschwerden haben, stehen bei anderen ganz andere Symptome im Vordergrund.
Mögliche Hinweise sind:
- wiederkehrende Bauchschmerzen,
- Blähungen,
- Durchfall,
- Verstopfung,
- fehlende oder auffällig geringe Gewichts- oder Größenzunahme,
- Müdigkeit und Leistungsknick,
- Eisenmangel oder Blutarmut,
- Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme.
Es gibt außerdem Kinder, die trotz Zöliakie nur wenige oder zunächst gar keine auffälligen Beschwerden zeigen.
Auf einen Blick
Zöliakie ist nicht immer offensichtlich
Bauchbeschwerden
Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung können Hinweise sein.
Wachstum
Auch eine auffällige Gewichts- oder Größenentwicklung kann zur Diagnostik führen.
Eisenmangel
Ein ungeklärter Eisenmangel oder eine Blutarmut können ebenfalls auffallen.
Kaum Beschwerden
Manche Kinder haben trotz Zöliakie nur wenige erkennbare Symptome.
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Alle Kartensets entdecken →Wie häufig ist Zöliakie bei Kindern?
Zöliakie ist keine seltene Erkrankung. In vielen Populationen liegt die Häufigkeit ungefähr im Bereich von einem Prozent. Das entspricht grob einem von 100 Menschen.
Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Erkrankungen zunächst unerkannt. Ein Grund dafür ist, dass Zöliakie sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen kann und nicht jedes betroffene Kind das klassische Bild mit Durchfall und deutlicher Gedeihstörung zeigt.
Wie wird Zöliakie bei Kindern diagnostiziert?
Besteht der Verdacht auf Zöliakie, beginnt die Diagnostik normalerweise mit einer Blutuntersuchung.
Als erste Untersuchungen werden bei Kindern in der Regel das Gesamt-IgA und die IgA-Antikörper gegen Gewebstransglutaminase, kurz tTG-IgA beziehungsweise TGA-IgA, bestimmt.
Das Gesamt-IgA ist wichtig, weil ein IgA-Mangel die Interpretation der Antikörperwerte beeinflussen kann. In diesem Fall werden andere Antikörpertests eingesetzt.
Vor der Diagnostik nicht einfach Gluten weglassen
Wenn Zöliakie abgeklärt werden soll, sollte euer Kind während der Diagnostik weiterhin glutenhaltige Lebensmittel essen. Wird vorher bereits auf glutenfreie Ernährung umgestellt, können Antikörperwerte absinken und die Diagnose unnötig erschwert werden. Beginnt deshalb nicht eigenständig mit einer glutenfreien Ernährung, bevor die Diagnostik abgeschlossen und ärztlich besprochen ist.
Braucht jedes Kind mit Zöliakie eine Dünndarmbiopsie?
Nein. Bei Kindern kann unter bestimmten Voraussetzungen heute auf eine Dünndarmbiopsie verzichtet werden.
Sind die Transglutaminase-IgA-Antikörper mindestens zehnmal so hoch wie der obere Normwert und werden zusätzlich Endomysium-IgA-Antikörper in einer zweiten Blutprobe bestätigt, kann die Diagnose bei geeigneten Kindern ohne Biopsie gestellt werden.
Diese Entscheidung gehört in die Hände einer kinderärztlichen gastroenterologischen Betreuung. Bei niedrigeren Antikörperwerten oder nicht eindeutigen Befunden kann eine Dünndarmbiopsie weiterhin notwendig sein.
Wie wird Zöliakie bei Kindern behandelt?
Nach gesicherter Diagnose besteht die Behandlung in einer konsequenten und lebenslangen glutenfreien Ernährung.
Damit fällt der Auslöser der Entzündungsreaktion weg. Die Dünndarmschleimhaut kann sich erholen und die Nährstoffaufnahme kann sich wieder normalisieren.
Eine medikamentöse Standardtherapie, die eine glutenfreie Ernährung ersetzt, gibt es derzeit nicht. Gerade am Anfang kann eine qualifizierte Ernährungsberatung Familien dabei helfen, die neue Ernährung sicher in den Alltag zu integrieren.
Die gute Nachricht
Unter einer konsequent glutenfreien Ernährung bessern sich Beschwerden bei vielen Kindern bereits innerhalb der ersten Wochen. Die Darmschleimhaut braucht für ihre vollständige Erholung länger. Wenn Zöliakie hinter einer Wachstums- oder Gedeihstörung steckt, kann sich die Entwicklung nach erfolgreicher Behandlung wieder deutlich verbessern.
Warum sollte die Diagnose sicher gestellt werden?
Eine Zöliakie Diagnose bedeutet eine dauerhafte Umstellung der Ernährung. Deshalb sollte ein begründeter Verdacht fachlich sauber abgeklärt werden, bevor Gluten langfristig vom Speiseplan gestrichen wird.
Ist die Diagnose bestätigt, kann die Ernährung gezielt angepasst und der weitere Verlauf kinderärztlich begleitet werden.
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- Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung und keine Allergie.
- Die Erkrankung kann die Dünndarmschleimhaut schädigen und dadurch die Aufnahme wichtiger Nährstoffe beeinträchtigen.
- Mögliche Hinweise sind Bauchbeschwerden, Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Eisenmangel und eine auffällige Wachstumsentwicklung.
- Manche Kinder haben nur wenige oder gar keine offensichtlichen Beschwerden.
- Die erste Diagnostik erfolgt in der Regel über Gesamt-IgA und Transglutaminase-IgA.
- Vor Abschluss der Diagnostik nicht eigenständig auf glutenfreie Ernährung umstellen.
- Unter bestimmten Voraussetzungen kann bei Kindern auf eine Dünndarmbiopsie verzichtet werden.
- Nach bestätigter Diagnose ist eine konsequente lebenslange glutenfreie Ernährung die Behandlung.
Häufige Fragen zu Zöliakie bei Kindern
Ist Zöliakie eine Glutenallergie?
Nein. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Gluten löst bei betroffenen Menschen eine Immunreaktion aus, die die Schleimhaut des Dünndarms schädigen kann.
Kann mein Kind Zöliakie haben, obwohl es keinen Durchfall hat?
Ja. Kinder mit Zöliakie können sehr unterschiedliche Beschwerden haben. Auch Verstopfung, Eisenmangel, Müdigkeit oder eine auffällige Gewichts- oder Größenentwicklung können Hinweise sein. Manche Kinder haben kaum erkennbare Symptome.
Wie wird Zöliakie bei Kindern getestet?
Die erste Untersuchung erfolgt normalerweise über eine Blutabnahme. Bestimmt werden in der Regel das Gesamt-IgA und Antikörper gegen Gewebstransglutaminase. Bei auffälligen Ergebnissen erfolgt die weitere Abklärung fachärztlich.
Muss mein Kind vor dem Zöliakie Test weiter Gluten essen?
Ja. Die Diagnostik ist nur zuverlässig möglich, wenn während der Untersuchung weiterhin Gluten gegessen wird. Eine bereits begonnene glutenfreie Ernährung kann Antikörperwerte beeinflussen und die Diagnose erschweren.
Braucht jedes Kind für die Diagnose eine Darmspiegelung?
Nein. Bei bestimmten sehr hohen Antikörperwerten und einem passenden Bestätigungstest kann eine Zöliakie bei Kindern unter fachärztlicher Betreuung auch ohne Dünndarmbiopsie diagnostiziert werden. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, muss individuell beurteilt werden.
Ist Zöliakie heilbar?
Die Veranlagung zur Zöliakie bleibt bestehen. Durch eine konsequente glutenfreie Ernährung kann sich die Dünndarmschleimhaut jedoch erholen und viele Beschwerden können sich deutlich bessern.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei ungeklärtem Eisenmangel, anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden, auffälliger Gewichts- oder Größenentwicklung oder anderen möglichen Hinweisen auf Zöliakie besprecht eine Abklärung bitte mit eurer Kinderarztpraxis. Beginnt bei einem Verdacht nicht eigenständig mit einer glutenfreien Ernährung, bevor die Diagnostik abgeschlossen ist.
Quellen und fachliche Orientierung
- ESPGHAN Guidelines for Diagnosing Coeliac Disease in Children and Adolescents
- NICE Guideline: Coeliac disease, recognition, assessment and management
- KiGGS Studie zur Prävalenz der Zöliakie bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland
- Fachliche Einordnung: Dr. Claus Pflugbeil, Kinderarzt


