Grippeimpfung bei Kindern: Für wen, wann und Nasenspray oder Spritze?

Elternwissen · Grippeimpfung
Für welche Kinder ist die Grippeimpfung empfohlen?
Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für Kinder ab 6 Monaten, wenn durch bestimmte Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Für gesunde Kinder gibt es derzeit keine allgemeine STIKO-Empfehlung, die STIKO rät aber auch nicht grundsätzlich von einer Impfung ab. Ab 6 Monaten stehen Totimpfstoffe als Spritze zur Verfügung. Kinder von 2 bis einschließlich 17 Jahren können unter bestimmten Voraussetzungen alternativ mit einem Nasenspray geimpft werden.
Aus der Kinderarztpraxis
Dr. Claus Pflugbeil · Kinderarzt & Papa
In meiner Praxis spreche ich die Grippeimpfung auch bei gesunden Kita- und Schulkindern an, wenn Eltern danach fragen. Wichtig ist mir dabei eine klare Einordnung: Für Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen empfiehlt die STIKO die Impfung ausdrücklich. Für gesunde Kinder besteht aktuell keine allgemeine STIKO-Empfehlung, aber auch kein generelles Abraten. Die Entscheidung kann deshalb individuell mit der Kinderarztpraxis besprochen werden.
Nasenspray oder Spritze? Einmal oder zweimal? Und braucht ein gesundes Kind die Grippeimpfung überhaupt? Rund um die Influenza-Impfung bei Kindern gibt es viele Fragen.
Wichtig ist zunächst die Unterscheidung zwischen einer echten Influenza und einem gewöhnlichen Erkältungsinfekt. Influenza ist eine eigene Viruserkrankung und kann Kinder deutlich stärker beeinträchtigen als eine typische Erkältung.
Kinder spielen auch bei der Krankheitslast eine relevante Rolle: Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts entfielen zwischen 2015 und 2024 mehr als 30 Prozent der erfassten Influenza-Krankenhausaufenthalte auf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Besonders gefährdet für schwere Verläufe sind Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen.
Ist eine echte Grippe bei Kindern nur eine stärkere Erkältung?
Nein. Influenza und Erkältung sind nicht dasselbe. Eine echte Grippe wird durch Influenzaviren verursacht und kann deutlich ausgeprägter verlaufen.
Typisch können ein plötzliches starkes Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten sein. Die Beschwerden können sich allerdings von Kind zu Kind unterscheiden.
Auch Komplikationen sind möglich. Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Influenza-Verlauf.
Für welche Kinder empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung?
Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von 6 Monaten, wenn durch eine Grunderkrankung eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung besteht.
Dazu können zum Beispiel gehören:
- chronische Erkrankungen der Atemwege, zum Beispiel Asthma,
- chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- chronische Leber- oder Nierenerkrankungen,
- Diabetes und andere relevante Stoffwechselerkrankungen,
- bestimmte chronische neurologische Erkrankungen,
- angeborene oder erworbene Immundefizienzen.
Eine Impfempfehlung besteht außerdem für Personen, die als mögliche Infektionsquelle eine besonders gefährdete Person im selben Haushalt anstecken könnten. Das kann im Einzelfall auch ein gesundes Kind betreffen.
Können auch gesunde Kinder gegen Grippe geimpft werden?
Ja. Dass die STIKO aktuell keine allgemeine Influenza-Impfung für alle gesunden Kinder empfiehlt, bedeutet nicht, dass sie von der Impfung gesunder Kinder abrät.
Eltern können die individuelle Situation mit ihrer Kinderarztpraxis besprechen. Dabei können zum Beispiel das Alter des Kindes, sein Umfeld und gefährdete Personen im Haushalt eine Rolle spielen.
Stand Oktober 2026: Für gesunde Kinder besteht in Deutschland keine allgemeine STIKO-Empfehlung zur Influenza-Impfung. Für Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen ab 6 Monaten empfiehlt die STIKO die Impfung ausdrücklich.
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Alle Kartensets entdecken →Ab welchem Alter können Kinder gegen Grippe geimpft werden?
Eine Influenza-Impfung ist bei Kindern grundsätzlich ab einem Alter von 6 Monaten möglich.
Für Kinder zwischen 6 Monaten und unter 2 Jahren stehen inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung, die als Spritze verabreicht werden.
Ab dem zweiten Geburtstag bis einschließlich 17 Jahre kann je nach individueller Situation alternativ auch ein Influenza-Lebendimpfstoff als Nasenspray eingesetzt werden.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung bei Kindern?
Das Robert Koch-Institut empfiehlt, die jährliche Influenza-Impfung vorzugsweise zwischen Oktober und Mitte Dezember durchführen zu lassen.
Nach der Impfung dauert es ungefähr 10 bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz vollständig aufgebaut hat.
Wer den empfohlenen Zeitraum verpasst hat, muss die Impfung nicht automatisch auf die nächste Saison verschieben. Auch zu Beginn oder während einer laufenden Grippewelle kann eine Impfung noch sinnvoll sein.
Grippeimpfung bei Kindern
Die wichtigsten Eckpunkte
Ab 6 Monaten
Ab diesem Alter stehen zugelassene Influenza-Totimpfstoffe zur Verfügung.
Nasenspray ab 2 Jahren
Für Kinder von 2 bis einschließlich 17 Jahren kann es eine Alternative zur Spritze sein.
Oktober bis Mitte Dezember
Das ist der bevorzugte Zeitraum für die jährliche Impfung.
10 bis 14 Tage
So lange dauert es ungefähr, bis der Impfschutz aufgebaut ist.
Nasenspray oder Spritze: Was ist bei Kindern besser?
Für Kinder von 2 bis einschließlich 17 Jahren können sowohl ein inaktivierter Influenza-Impfstoff als Spritze als auch ein Lebendimpfstoff als Nasenspray infrage kommen.
Die STIKO gibt grundsätzlich keinem der beiden Impfwege den Vorzug. Wenn eine Spritze ein besonderes Problem darstellt, zum Beispiel bei ausgeprägter Spritzenangst, kann das Nasenspray eine interessante Alternative sein.
Das Nasenspray ist allerdings nicht für jedes Kind geeignet. Bestimmte Erkrankungen und Kontraindikationen, insbesondere relevante Immunschwächen oder schweres Asthma, müssen berücksichtigt werden. Welche Variante für euer Kind geeignet ist, sollte deshalb individuell entschieden werden.
Welche Nebenwirkungen kann die Grippeimpfung bei Kindern haben?
Influenza-Impfstoffe sind in der Regel gut verträglich. Nach einer Impfung können vorübergehend Reaktionen auftreten.
Nach der Spritze sind zum Beispiel Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle möglich. Außerdem können vorübergehend Müdigkeit, Fieber, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen auftreten.
Beim Nasenspray kann zusätzlich eine laufende oder verstopfte Nase auftreten. Solche Impfreaktionen klingen normalerweise innerhalb kurzer Zeit wieder ab.
Kann die Grippeimpfung selbst eine Grippe auslösen?
Der Influenza-Totimpfstoff, der als Spritze gegeben wird, kann keine Influenza auslösen.
Beim Nasenspray handelt es sich um einen abgeschwächten Lebendimpfstoff. Auch hier können typische Impfreaktionen wie eine laufende oder verstopfte Nase auftreten. Diese Reaktionen sind nicht mit einer normalen saisonalen Influenza gleichzusetzen.
Wichtig ist außerdem: Die Impfung schützt nur vor Influenza. Erkältungen, RSV und andere Atemwegsinfekte können deshalb auch nach einer Grippeimpfung auftreten.
Wie oft muss ein Kind gegen Grippe geimpft werden?
Die Influenza-Impfung wird bei bestehender Impfempfehlung jährlich durchgeführt, weil sich die zirkulierenden Influenzaviren verändern und die Impfstoffzusammensetzung regelmäßig angepasst wird.
Kinder, die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, benötigen je nach Alter und verwendetem Impfstoff häufig zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Bei den meisten Influenza-Impfstoffen gilt diese Regel für Kinder unter 9 Jahren.
Wurde ein Kind bereits in einer früheren Saison gegen Influenza geimpft, genügt normalerweise eine Dosis für die neue Saison.
Darf ein erkältetes Kind gegen Grippe geimpft werden?
Ein leichter Infekt ohne deutliches Krankheitsgefühl muss eine Impfung nicht grundsätzlich verhindern.
Bei einer fieberhaften Erkrankung ab 38,5 °C oder einer schwereren akuten Infektion sollte die Impfung dagegen verschoben und nach der Genesung nachgeholt werden.
Beim Nasenspray können zusätzlich produktspezifische Punkte eine Rolle spielen. Bei einer stark verstopften Nase sollte deshalb vor der Anwendung Rücksprache mit der Praxis gehalten werden.
Wie gut schützt die Grippeimpfung bei Kindern?
Keine Influenza-Impfung schützt zu 100 Prozent. Wie gut sie in einer bestimmten Saison wirkt, hängt unter anderem davon ab, wie gut die im Impfstoff enthaltenen Virusvarianten zu den tatsächlich zirkulierenden Influenzaviren passen.
Deshalb kann ein Kind trotz Impfung an Influenza erkranken. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Impfung wirkungslos war.
Außerdem werden andere Atemwegsinfektionen im Alltag häufig mit einer echten Grippe verwechselt. Gegen Erkältungsviren schützt die Influenza-Impfung nicht.
Wer bezahlt die Grippeimpfung bei Kindern?
Besteht für das Kind eine STIKO-Empfehlung, ist die Influenza-Impfung grundsätzlich Bestandteil der Schutzimpfungs-Richtlinie der gesetzlichen Krankenversicherung.
Bei gesunden Kindern ohne allgemeine STIKO-Indikation kann die Kostenübernahme von der jeweiligen Krankenkasse abhängen. Manche Krankenkassen übernehmen zusätzliche Impfungen freiwillig.
Wenn ihr euer gesundes Kind impfen lassen möchtet, fragt deshalb am besten vorab bei eurer Krankenkasse und in eurer Kinderarztpraxis nach.
Aus unserer Praxiserfahrung
Influenza kann einen Familienalltag ordentlich durcheinanderbringen. In der Praxis erleben wir auch Kinder, die nach einer echten Grippe noch längere Zeit erschöpft wirken oder in derselben Infektsaison weitere Erkrankungen mitnehmen. Das ist eine Beobachtung aus dem Praxisalltag und keine allgemeingültige Aussage für jedes Kind. Deshalb besprechen wir die Grippeimpfung auf Wunsch auch mit Eltern gesunder Kita- und Schulkinder.
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- Influenza ist eine eigenständige Virusinfektion und nicht dasselbe wie eine gewöhnliche Erkältung.
- Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung für Kinder ab 6 Monaten mit bestimmten Grunderkrankungen.
- Für gesunde Kinder gibt es aktuell keine allgemeine STIKO-Empfehlung, aber auch kein grundsätzliches Abraten.
- Bis unter 2 Jahren wird mit einem inaktivierten Impfstoff gespritzt.
- Von 2 bis einschließlich 17 Jahren kann auch ein Nasenspray infrage kommen, sofern keine Kontraindikation besteht.
- Der bevorzugte Impfzeitraum liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember.
- Der Impfschutz braucht ungefähr 10 bis 14 Tage, um sich aufzubauen.
- Bei der ersten Influenza-Impfung können bei jüngeren Kindern zwei Dosen im Abstand von vier Wochen notwendig sein.
- Bei bestehender STIKO-Indikation wird die Impfung von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Bei gesunden Kindern sollte die Kostenübernahme vorab geklärt werden.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Impfberatung. Welcher Influenza-Impfstoff für ein Kind geeignet ist und ob Kontraindikationen bestehen, hängt unter anderem vom Alter, von Vorerkrankungen und vom verwendeten Impfstoff ab. Besprecht die individuelle Impfentscheidung deshalb mit eurer Kinderarztpraxis.
Quellen und fachliche Orientierung
- Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut: Empfehlungen der STIKO 2026, Epidemiologisches Bulletin 4/2026
- Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza, aktueller Stand September 2026
- Robert Koch-Institut und STIKO: Stellungnahme zur Bedeutung der Influenza-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, Epidemiologisches Bulletin 38/2026
- Paul-Ehrlich-Institut und Fachinformationen der in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffe
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Schutzimpfungs-Richtlinie
- Fachliche Einordnung: Dr. Claus Pflugbeil, Kinderarzt


