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7 Dinge, die ich als Kinderarzt in der Erkältungszeit nicht tun würde

7 Dinge, die ich als Kinderarzt in der Erkältungszeit nicht tun würde

Elternwissen · Erkältungszeit

Was sollten Eltern bei einer Erkältung ihres Kindes besser nicht tun?

Bei einer Erkältung muss nicht jedes Symptom sofort behandelt werden. Grüner Schnupfen braucht nicht automatisch Antibiotika, Milch muss nicht vom Speiseplan verschwinden und auch Hustensaft ist nicht immer die erste Wahl. Vorsicht ist außerdem bei ätherischen Ölen für kleine Kinder und beim Inhalieren über heißem Wasser geboten. Und selbst die dicke Winterjacke spielt eine Rolle, wenn euer Kind im Auto angeschnallt wird.

Aus der Kinderarztpraxis

Dr. Claus Pflugbeil · Kinderarzt & Papa

In der Erkältungszeit begegnen mir immer wieder dieselben gut gemeinten Tipps. Vieles davon ist gar nicht nötig, manches kann bei kleinen Kindern sogar problematisch sein. Mir ist deshalb wichtiger, altersgerecht und gezielt zu handeln, statt bei jedem Symptom sofort zum nächsten Mittel zu greifen.

Dr. Claus Pflugbeil, Kinderarzt bei LivaKids

Die Nase läuft, nachts wird gehustet und plötzlich kommen von allen Seiten gut gemeinte Tipps. Gerade in der Erkältungszeit hält sich einiges erstaunlich hartnäckig.

Dabei brauchen die meisten unkomplizierten Erkältungen vor allem Zeit. Die Beschwerden können gelindert werden, aber nicht jede Maßnahme, die sich seit Jahren herumspricht, ist sinnvoll. Einige vermeintliche Hausmittel bergen sogar unnötige Risiken.

1. Kinder mit dicker Winterjacke im Kindersitz anschnallen

Klingt zunächst gemütlich, ist aber keine gute Idee. Damit ein Sicherheitsgurt im Ernstfall richtig schützen kann, muss er möglichst eng am Körper anliegen.

Eine dicke, gepolsterte Winterjacke schafft zusätzlichen Abstand zwischen Kind und Gurt. Deshalb die Jacke beim Anschnallen besser ausziehen. Gegen die Kälte könnt ihr sie anschließend über das bereits angeschnallte Kind legen oder eine Decke verwenden.

Merksatz: Erst sicher anschnallen, dann warm einpacken.

2. Erkältungsbalsam mit Menthol einfach bei Kleinkindern verwenden

Bei Erkältungsbalsam und ätherischen Ölen lohnt sich ein genauer Blick auf die Altersangabe. Säuglinge und Kleinkinder reagieren empfindlicher auf bestimmte ätherische Öle als Erwachsene.

Besonders Präparate mit Menthol, Kampfer oder Pfefferminzöl sind für kleine Kinder nicht automatisch geeignet. Solche Stoffe können bei Säuglingen und Kleinkindern schwere Reaktionen der Atemwege auslösen.

Verwendet deshalb nur Produkte, die ausdrücklich für das jeweilige Alter zugelassen beziehungsweise vorgesehen sind, haltet euch an die Anwendungshinweise und bringt entsprechende Präparate nicht im Gesicht des Kindes auf.

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3. Das Kind über einem Topf mit heißem Wasser inhalieren lassen

Das klassische Inhalieren über einer Schüssel oder einem Topf mit heißem Wasser würden wir bei Kindern nicht empfehlen. Ein unachtsamer Moment reicht, damit heißes Wasser umkippt und schwere Verbrühungen verursacht.

Gleichzeitig gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass die klassische Dampfinhalation eine Erkältung schneller verschwinden lässt.

Für eine verstopfte Nase kommen je nach Alter zum Beispiel Kochsalzlösungen infrage. Wenn eine Inhalation medizinisch sinnvoll ist, kann ein dafür vorgesehenes Inhalationsgerät verwendet werden.

4. Grünen Schnupfen sofort mit Antibiotika behandeln

Gelber oder grüner Nasenschleim bedeutet nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt.

Auch bei einer ganz normalen viralen Erkältung kann sich das Nasensekret im Verlauf verfärben. Diese Farbe allein ist deshalb kein Grund für ein Antibiotikum.

Die meisten Erkältungen werden durch Viren verursacht. Antibiotika wirken dagegen nicht. Wichtiger sind der Allgemeinzustand des Kindes, die Art der Beschwerden und ihr Verlauf.

Grüner Schnupfen allein bedeutet nicht: „Mein Kind braucht ein Antibiotikum.“

5. Bei Ohrenschmerzen sofort ein Antibiotikum geben

Ohrenschmerzen sind unangenehm und sollten ernst genommen werden. Trotzdem braucht nicht jede akute Mittelohrentzündung sofort ein Antibiotikum.

Viele Mittelohrentzündungen heilen innerhalb weniger Tage von selbst ab. Gerade bei älteren Kindern kann deshalb je nach Befund zunächst die Behandlung der Schmerzen im Vordergrund stehen und der Verlauf erneut beurteilt werden.

Ob ein Antibiotikum sinnvoll oder notwendig ist, hängt unter anderem vom Alter des Kindes, dem Befund, der Schwere der Beschwerden und dem Verlauf ab. Bei Babys und kleinen Kindern wird die Situation deshalb anders beurteilt als bei einem größeren Kind.

6. Bei Schnupfen auf Milch verzichten

„Milch macht Schleim“ gehört zu den besonders hartnäckigen Erkältungsmythen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch nicht, dass Milch bei einer Erkältung die Schleimproduktion in den Atemwegen erhöht. Nach dem Trinken kann sich der Mund- und Rachenraum für manche Menschen kurzfristig etwas belegt oder der Speichel dicker anfühlen. Das ist aber nicht dasselbe wie eine vermehrte Schleimproduktion.

Gerade wenn ein krankes Kind wenig Appetit hat, kann Milch außerdem Energie und Flüssigkeit liefern. Wenn euer Kind Milch mag und sie gut verträgt, gibt es wegen eines normalen Schnupfens keinen pauschalen Grund, darauf zu verzichten.

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7. Bei Husten sofort zum Hustensaft greifen

Husten ist zunächst ein Schutzreflex des Körpers und hilft dabei, Sekret und Fremdstoffe aus den Atemwegen zu befördern. Deshalb muss ein gewöhnlicher Erkältungshusten nicht automatisch mit einem Hustensaft behandelt werden.

Für Kinder ab dem ersten Geburtstag kann Honig vor dem Schlafengehen eine einfache Möglichkeit sein, nächtlichen akuten Husten etwas zu lindern. Studien zeigen einen möglichen Nutzen bei Hustenhäufigkeit und Schlaf.

Wichtig: Kinder unter einem Jahr dürfen keinen Honig bekommen. Für Säuglinge besteht durch mögliche Botulismus-Sporen ein gesundheitliches Risiko.

Erkältungszeit bei Kindern: Das Wichtigste in Kürze

  • Im Kindersitz sollte der Sicherheitsgurt möglichst nah am Körper anliegen. Dicke Winterjacken deshalb besser ausziehen.
  • Erkältungspräparate mit Menthol, Kampfer oder anderen ätherischen Ölen sind für kleine Kinder nicht automatisch geeignet.
  • Inhalieren über heißem Wasser birgt bei Kindern ein erhebliches Verbrühungsrisiko.
  • Grüner Schnupfen allein ist kein Grund für ein Antibiotikum.
  • Auch eine Mittelohrentzündung muss nicht in jedem Fall sofort mit Antibiotika behandelt werden.
  • Milch erhöht bei einer normalen Erkältung nicht nachweislich die Schleimproduktion.
  • Bei akutem Husten kann Honig ab dem ersten Geburtstag eine mögliche Unterstützung sein. Unter einem Jahr ist Honig tabu.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Wenn euer Kind deutlich krank wirkt, Beschwerden ungewöhnlich stark sind oder ihr euch unsicher seid, lasst es bitte kinderärztlich beurteilen. Arzneimittel und Erkältungspräparate sollten bei Kindern immer entsprechend der Altersangabe und Gebrauchsinformation verwendet werden.

Quellen und fachliche Orientierung

  • ADAC: Sicherheit beim Anschnallen von Kindern und Winterkleidung
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Ätherische Öle, Hinweise für Säuglinge und Kleinkinder, Stand September 2026
  • gesund.bund.de: Erkältung sowie akute Mittelohrentzündung
  • NHS und British Burn Association: Sicherheitshinweise zur Dampfinhalation mit heißem Wasser
  • Centers for Disease Control and Prevention: Antibiotika bei Erkältung und verfärbtem Nasensekret
  • Balfour-Lynn IM: Milk, mucus and myths, Archives of Disease in Childhood
  • Cochrane Review: Honey for acute cough in children
  • Fachliche Einordnung: Dr. Claus Pflugbeil, Kinderarzt